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Mit den Worten wachsen - Warum das Schreiben nicht nur Stress lindert, sondern auch dein persönliches Wachstum fördert

Aktualisiert: 16. Apr.


Kennst du dieses Gefühl, wenn dein Kopf einfach nicht still wird? Die Gedanken kreisen, die To-Dos stapeln sich förmlich: Einen klaren Gedanken zu fassen, fällt schwer.


Meine zuverlässige Methode, die in solchen Situationen sofort hilft, ist das Schreiben.


Wie wir schreiben kann dabei sehr vielfältig gestaltet werden. Manchmal reicht es schon verschiedene Aufgaben, die mir im Kopf herumspuken, auf meine To-Do-Liste zu schreiben. Manchmal begeistert mich eine Idee und ich schreibe all meine Gedanken dazu so detailliert wie möglich auf. Manchmal geht es mir schlecht und ich weiß nicht so richtig warum: Dann nehme ich mir bewusst die Zeit, die ich brauche, um meine Gedanken aufzuschreiben, zu sortieren und zu verstehen.


In dem Raum, der dadurch entsteht, kann Verständnis wachsen und starke Emotionen verlieren ganz automatisch an Schärfe.


Back To The Roots: Warum wir einfache Wege aus dem Stress oft übersehen


Stress begleitet uns alle immer wieder durch den Alltag – sei es durch die Arbeit, die Erwartungen anderer oder den eigenen Anspruch, alles möglichst gut machen zu wollen.


Oft arrangieren wir uns irgendwie mit unserem Stress oder versuchen, den Druck „wegzudenken“. Das kann zwar kurzfristig funktionieren, aber langfristig wird die Belastung dadurch eher stärker und gleichzeitig diffuser, weniger greifbar. Dann haben wir schnell das Gefühl den Stress nicht mehr kontrollieren zu können.


Wenn wir unseren Stress besser managen wollen, übersehen und unterschätzen wir oft die vielen, einfachen Dinge, die wir tun könnten.


Insgeheim wissen wir zum Beispiel, dass wir uns gesünder ernähren und mehr bewegen sollten, ab und zu bewusste Pausen machen sollten und so einfache Tools wie das Schreiben nutzen können, um uns besser um uns selbst zu kümmern. Wir haben auch Ideen, wie wir das umsetzen könnten.


Aber wir machen es dann oft doch nicht. Und das hat verschiedene Gründe: Oft stehen uns unsere eigenen hohen Erwartungen im Weg und wir sind dann schnell frustriert, dass wir unsere Ziele nicht erreichen. Oder wir sind schon so gestresst, dass wir uns nicht mehr für die einfachsten Dinge aufraffen können.


Dazu kommt, dass Selbstoptimierung voll im Trend ist und überall vorgelebt wird. Selbstoptimierung wird in der Wellness-, Gesundheits- und Beauty-Branche geschickt vermarktet. Und damit wird uns immer wieder suggeriert, dass wir immer noch mehr Gadgets, Supplemente oder Cremes brauchen, um uns wirklich gut um uns zu kümmern. Es werden in der Werbung Glücksversprechungen gemacht, die der Realität nicht standhalten können.


Umso wichtiger ist die Rückbesinnung auf die einfach umsetzbaren und grundsätzlichen Dinge: Darauf zu achten, gesund zu essen, sich ausreichend zu bewegen, genug zu schlafen usw..


Sich um sich selbst zu kümmern, muss und sollte nicht anstrengend oder umständlich sein. Wenn das Stressmanagement eigentlich zu einer zusätzlichen Belastung wird, sollten wir etwas ändern.


Wir sollten genau da anfangen, wo wir gerade stehen, die Ressourcen nutzen, die bereits da sind und in kleinen Schritten vorangehen. Jede kleine positive Veränderung ist wertvoll - und darauf kann man dann Schritt für Schritt aufbauen.


Das Schreiben ist eine dieser einfachen und leicht zugänglichen Methoden und gerade deshalb auch ein so unterschätztes Tool: Alles, was wir dazu brauchen, ist das Vorhaben zu schreiben, ein paar Minuten unserer Zeit, einen Stift und Papier.


Warum das Schreiben sofort wirkt

Das Schreiben ist wie ein Ventil für den Geist. Sobald du deine Gedanken aufs Papier bringst, können sie auch außerhalb deines Kopfes existieren und werden so greifbarer. Chaos kann sich so in Struktur verwandeln, Emotionen bekommen den Raum, den sie brauchen, wir lernen uns besser selbst kennen und gehen gestärkter in die Welt hinaus.



Raus aus dem Kopf: Warum der Prozess des Aufschreibens sofort gut tut

Die meisten Menschen sind alleine durch ihren Job schon sehr kopflastig veranlagt. Wir müssen außerdem verschiedene Lebensbereiche jonglieren und irgendwie miteinander in Einklang bringen. Das ist oft eine lebenslange Herausforderung, die immer wieder ein neues Ausbalancieren benötigt.


Wir haben durch das Internet außerdem Zugriff auf so viele Informationen wie nie zuvor. Diese Flut an Informationen kann unser Gehirn überfordern.


Jedes Mal, wenn du dir bewusst Zeit zum Schreiben nimmst, lagerst du deine Gedanken ein Stück weit aus. Das schafft sofort mentale Entlastung und die Möglichkeit deine Gedanken besser greifbar zu machen.


Das Schreiben kann auch eine Insel im Alltag darstellen und Distanz schaffen, die wir alle immer mal wieder brauchen. Wenn wir uns nur auf uns und das Schreiben konzentrieren, können wir in eine andere Sphäre des Existierens eintauchen und Abstand vom Alltag finden.



Weg vom Chaos: Durchs Schreiben Strukturen schaffen und Klarheit finden

Manchmal stressen uns im Alltag viele kleine Dinge und auf einmal fühlen wir uns sehr gestresst. Das liegt an der Tendenz, dass kleine Stressfaktoren erst einmal nicht so auffallen, sich dann aber oft summieren und gegenseitig verstärken.


Wenn wir nicht so richtig wissen, was in uns vorgeht und was uns belastet, ist das eine zusätzliche Schwierigkeit. Unklare Sorgen und übersehene Stress-Quellen wirken oft größer, als sie eigentlich sind.


Beim Schreiben hast du die Möglichkeit, deine Gedanken so präzise wie möglich in Worte zu fassen. Dabei werden uns häufig einige Dinge klar.


Oft wissen wir, wenn wir mit dem Schreiben anfangen, noch nicht so genau, wo die Reise hingeht und wundern uns hinterher, wo wir gedanklich gelandet sind. Und genau das ist das Tolle am Schreiben: Du erkennst bisher Unbewusstes, neue Zusammenhänge und Perspektiven. So kannst du neue Lösungen finden und ganz bewusst Prioritäten setzen.



Emotionen entschärfen: Durchs Schreiben Abstand gewinnen und sich selbst reflektieren

Beim Schreiben ist unser Gehirn das Medium, durch das die Worte auf die Seite fließen.

Deshalb begegnen wir uns beim Schreiben auch selbst: Wir machen uns unsere Sicht auf die Dinge bewusst und fassen diese in Worte.


Auch schwierige Erlebnisse können auf dem Papier verarbeitet werden. Gedanken und Gefühle, die du aufschreibst, verlieren meist an Intensität - gerade wenn du diese öfters aufschreibst. Schreiben hilft dir so, Nähe aufzubauen, indem du dich besser kennenlernst und gleichzeitig kann es dabei helfen, Abstand von Erlebnissen, Gefühlen oder Sichtweisen zu gewinnen.


Darüber hinaus sind Achtsamkeit und die Fähigkeit, sich selbst zu reflektieren, heutzutage wichtige Ressourcen. Ab und zu mal innezuhalten, Emotionen wahrzunehmen und das eigene Verhalten zu reflektieren, kann durch das Schreiben entscheidend unterstützt werden.


Gerade, wenn wir uns das Schreiben zur Gewohnheit machen, nehmen wir frühzeitig wahr, wo gerade der Schuh drückt, bevor er anfängt den ganzen Fuß zu lähmen und uns ins Stolpern bringt.



Aktiv werden: Selbstwirksamkeit spüren und mehr ins Tun kommen

Schreiben stärkt unsere Selbstwirksamkeit. Wenn wir uns wieder selbst mehr spüren und ausdrücken, stärkt das die Beziehung zu uns selbst und unserem Umfeld.


Wir Menschen sind von Natur aus neugierig und möchten etwas erschaffen. Im Alltag, der von verschiedenen Regeln, Erwartungen und Verpflichtungen durchzogen ist, geht das oft unter. Wir sind es auch immer mehr gewohnt, in unserer Freizeit Inhalte zu konsumieren, statt selbst etwas zu erschaffen.


Das Problem daran ist, dass es ein Risikofaktor für unsere Gesundheit ist, wenn wir langfristig das Gefühl haben, uns nicht richtig ausdrücken zu können.


Umso wichtiger ist es, der eigenen Kreativität nachzugehen. Dann können wir Selbstwirksamkeit erleben, weil wir uns mit uns selbst auseinandersetzen und daraus Schaffensfreude entwickeln.


Wir bleiben geistig fit und flexibel. Beim Schreiben erschaffen wir einen ganz eigenen Möglichkeitsraum, der irgendwo zwischen unserem Innenleben und der Realität entsteht. Hier kann vieles seinen Platz finden: Fantasie, wir lernen den Umgang mit äußerlichen Anforderungen, entwickeln eine Haltung und finden Trost, Erholung und vieles mehr.


Und genau diese Prozesse stärken uns von innen heraus, sodass wir uns selbstwirksamer fühlen und selbstbewusster ins Handeln kommen. Wir lernen durch das Schreiben, uns besser zu entfalten, weil wir uns bewusst darüber werden, was uns wichtig ist und wie wir unser Leben gestalten wollen.


Automatisches Schreiben für schnelle Entlastung

Wann hast du das letzte Mal deine Gedanken wirklich aufgeschrieben und was könnte sich verändern, wenn du heute damit anfängst?


Das automatische Schreiben oder auch Freewriting ermöglicht es dir, in einem begrenzten Zeitraum all deine bewussten und unbewussten Gedanken und Gefühle aufzuschreiben.


Nimm dir dazu 5 Minuten Zeit. Lege Stift und Papier bereit. Mache es dir bequem und stelle einen Timer auf 5 Minuten.


Schreibe in der Zeit alles auf, was dir gerade durch den Kopf geht - so ungefiltert wie möglich. Es braucht keine Struktur. Es gibt kein richtig oder falsch. Jeder Gedanke darf seinen Platz auf dem Papier finden. Rechtschreibung und Grammatik sind gerade auch nicht wichtig.


Die Hauptsache ist: Bleib im Schreibfluss. Wenn du mal nicht weiter weißt, schreibe „Ich weiß nicht weiter…“ solange bis dir wieder etwas einfällt.


Wenn die 5 Minuten vorbei sind, reflektiere kurz, was sich durch das Schreiben verändert hat. Wie fühlst du dich jetzt? Was ist dir leicht oder schwer daran gefallen?


Wenn du willst, kannst du dir das Geschriebene noch einmal durchlesen und deine Gedanken dazu sammeln.


Das ist aber kein Muss: Wenn es sich für dich besser anfühlt, kannst du den Text auch einfach direkt wegwerfen.


Fazit

Schreiben ist viel mehr als nur das Festhalten loser Gedankenstränge.


Es ist ein einfaches, jederzeit verfügbares Werkzeug, um innere Ordnung zu schaffen und sich selbst anzunähern.


Indem wir Gedanken aus dem Kopf aufs Papier bringen, entlasten wir unseren Geist, gewinnen Klarheit und schaffen Raum für neue Perspektiven. Gleichzeitig hilft uns das Schreiben, Emotionen zu verarbeiten, Stress greifbarer zu machen und Stück für Stück zu reduzieren.


Darüber hinaus liegt im regelmäßigen Schreiben eine große Chance für persönliches Wachstum: Wir reflektieren unser Erleben, erkennen Zusammenhänge und entwickeln ein besseres Verständnis für uns selbst. Daraus entsteht Selbstwirksamkeit, die Zuversicht, das eigene Leben aktiv gestalten zu können.


Am Ende braucht es dafür nicht viel: ein paar Minuten Zeit, Offenheit und die Bereitschaft, einfach anzufangen. Denn oft sind es gerade die kleinen, regelmäßig umgesetzten Werkzeuge wie das Schreiben, die langfristig den größten Unterschied machen und zu gesunden Gewohnheiten führen.


Auch das Schreiben in Gruppen kann genau diese heilsamen Wirkungen erzielen. Im Austausch mit anderen entsteht darüber hinaus ein Raum, in dem das Geschriebene und die eigenen Gedanken dazu wirken können. So entsteht eine einzigartige Athmosphäre der Gemeinschaft, Inspiration und Motivation.


Falls du nun neugierig geworden bist und gerne mehr Schreibübungen ausprobieren möchtest, dann meld dich gerne bei mir. Ich freue mich darauf, von dir zu hören!



Quellen



Schreiber, Birgit (2017). Schreiben zur Selbsthilfe. Worte finden, Glück erleben, gesund sein. Springer

 
 
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